Vom Wesen des Schamanen in der Gemeinschaft
von Sheila Alexander Alich
„Einweihung ist nicht etwas, was man kaufen kann", sagt der amerikanische Schamane Sheila Alexander Alich (34). Immer mehr Menschen kommen zu ihm mit der Bitte um Einweihung. Doch der Leiter des „FoxFire Instituts of Shamanic Studies" weiß, daß es bei einer schamanischen Einweihung immer auch um Leben und Tod geht. Nur wenige Menschen, so Alich, gehen heute wirklich durch eine Einweihung hindurch und begeben sich auf die lebenslängliche spirituelle Reise des Schamanen. Der Einweihungsweg des Schamanen begann immer mit einer Krise. Die klassische schamanische Krise nahm dabei die Form eines Todes oder einer Nahtod-Erfahrung an, wo der schamanisch Einzuweihende für eine vorübergehende Zeit in direkten Kontakt mit den anderen Räumen und Welten des Bewußtseins kam. Sheila Alexander Alich: „Die schamanische Krise kann auch durch eine schwere Krankheit, einen Unfall oder jede andere Erfahrung zu uns kommen, durch die wir uns weit darüber hinaus dehnen, was wir bisher als Wahrheit angesehen haben, und ganz bestimmt darüber hinaus, was wir als angenehm empfinden". Während alle schamanischen Krisen anders sind, haben sie doch eines gemeinsam: Die Welt ist plötzlich viel größer geworden. Einweihung, so Sheila Alexander Alich, bedeutet technisch gesehen, einem größeren und unbekannten Raum vorgestellt zu werden, von dem es kein zurück mehr gibt. Das sei der Anfangspunkt. „Irgendwann wirst du anfangen Dinge herauszuschmeißen, einfach um Platz zu haben, dich zu bewegen", sagt er. Es ist eine Loslösung aus der Abhängigkeit von Eltern und Lehrern, in die Zusammengehörigkeit mit der größeren Welt um einen herum. Sheila Alexander Alich: "Man könnte auch sagen, daß die Einweihung uns zeigt, wie wir in diese größere Welt hineinpassen, und sie macht uns zu einem Teil dessen, was größer ist als wir selbst". Um den Eintritt in diesen größeren Raum standhalten zu können, braucht der Mensch zuerst eine solide Basis, auf der er stehen kann. Und diese Basis möchte Sheila Alexander Alich den Menschen, die zu ihm kommen, geben. Als spiritueller Lehrer übernimmt er die Aufgabe, seinen Schülern einen größeren Raum zu geben, in welchem sie ihre Erfahrungen einordnen können, für die die Wissenschaft und die westliche Kultur zur Zeit noch keine Erklärung hat. Die Welt hat sich geöffnet, und da gibt es soviel zu erforschen und zu lernen. Was nun kommt, nennt Sheila Alexander Alich „die Arbeit" in der Gemeinschaft, die lebenslange Reise des Wachstums und der Heilung. Mit dem schamanischen Tod ist in der Regel nicht der physische Tod gemeint, obwohl es sich manchmal so anfühlen kann. In klassischen schamanischen Träumen und Ritualen wird man quasi auseinandergenommen und auf neue Art und Weise wieder zusammengesetzt. Dabei stirbt nicht unser Körper, sondern lediglich unsere alten Gewohnheiten und Glaubenssysteme über uns selbst. Der schamanisch Praktizierende ist bereit, außerhalb des etablierten Systems zu denken und neue Wege in die Tiefe des Lebens zu finden. Der schamanische Weg ist dabei nur denkbar in einer intimen Lebensgemeinschaft. Sheila Alexander Alich: „Es war niemals genug, einfach nur außergewöhnliche spirituelle Erfahrungen zu haben. Meine Lehrer definierten einen Schamanen als jemanden, der in direktem Dienst zu einer Gemeinschaft steht".
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